Im Gespräch mit Verleger Albrecht Werstein

Verleger Albrecht Werstein
20 Jahre Zoch
17.10.2007
20 Jahre Zoch, 20 Jahre Bausack – was damals im Frühjahr 1987 bei einem Abendessen in den Vogesen begann, anschließend gekürt wurde mit dem „Bausack“, der im Folgejahr auf der „Auswahlliste Spiel des Jahres 1988“ landete – liest sich heute wie eine großartige Erfolgsgeschichte. Manch durchaus guten Spielemacher von damals gibt es längst nicht mehr. Doch die beiden einstigen Schulfreunde und Macher des Münchner Spieleverlags Zoch, Namensgeber Klaus Zoch und Geschäftsführer Albrecht Werstein, haben heute einen zwar immer noch kleinen, aber sehr wohl erfolgreichen und innovativen Autorenverlag mit einem mehrfach ausgezeichneten Spielprogramm.
Redaktion: Sie feiern dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Was sagen Sie rückblickend dazu?
Werstein: Ich hätte mir nie im Traum einfallen lassen, dass aus einer anfänglichen Spinnerei ein profundes kleines Unternehmen wird.
Redaktion: Würden Sie es heute anderes machen? Wenn ja, was?
Werstein: Ich würde wenig anders machen, vielleicht ein, zwei Firmen weniger gründen als zu Beginn.
Redaktion: Klaus Zoch und Sie kannten sich ja bereits aus Schulzeiten. Was hat Sie beide damals verbunden und was verbindet Sie heute?
Werstein: Damals hat uns Karl May und Science Fiction zusammengeschweißt. Ebenso eine Kindheit im Wald und als prägendes Element schon im Jugendalter das Verändern oder Erfinden von Spielen. Heute schweißt uns zusammen, dass wir beide Querdenker und Individualisten sind und wir mit unseren ganz verschiedenen Welten eine große Schnittmenge haben, in der wir uns bei aller Gegensätzlichkeit immer wieder aufs Neue finden können.
Redaktion: Ihr Verlag ist bekannt für seine außergewöhnlichen Spiele und die bunten Spielboxen, die so viel erzählen. Wie kam es zu dieser Art von Gestaltung?
Werstein: Klaus Zoch und mich hat immer interessiert, wie man die Sinne – Gehör, Augen, Tastsinn etc. – in Spiele integrieren kann. Die Entwicklung des Stils war eher zufällig. Mit Doris Matthäus hatten wir bei „Zicke Zacke Hühnerkacke“ eine herausragende Illustratorin. Zusammen mit dem Erfolg des Spiels wurden natürlich auch Folgeprodukte davon geprägt. Beim Kunden löst dies irgendwann auch eine Erwartungshaltung aus.
Redaktion: Was ist Ihrer Meinung nach Ihr herausragendstes Spiel im Sortiment?
Werstein: Das herausragendste Spiel, das auch gleichzeitig mein Lieblingsspiel ist, ist der „Bausack“. Von der wirtschaftlichen Seite ist sicher „Zicke Zacke Hühnerkacke“ das Highlight. Diese Spiel ist im Ausland sehr erfolgreich und daraus ist eine ganze Familie, die sogenannte Hühnerfamilie, entstanden. Das meist unterschätzte Spiel ist sicher „Schrille Stille“. Heute würde ich das Spiel allerdings von der Illustration und vom Titel anders machen.
Redaktion: Viel Erfolg hatten Sie mit Ihrem Spiel „Zicke Zacke Hühnerkacke“, das 1998 den „Sonderpreis Kinderspiel des Jahres“ erhielt. Worin besteht Ihrer Meinung nach der Erfolg des Spiels, das ja zwischenzeitlich über 700.000 Mal weltweit verkauft wurde?
Werstein: „Zicke Zacke Hühnerkacke“ ist eine einmalige Mischung aus einer tollen Grafik, einer tollen Spielidee und einem gewagten Titel als Katalysator für die ersten beiden Bausteine. Im Ausland läuft es in den Ländern am besten, die das Wortspiel „Zicke Zacke Hühnerkacke“ in ihrer Landessprache adaptiert haben.
Redaktion: Der „Bausack“ gilt als Klassiker. Was zeichnet dieses Bauspiel aus?
Werstein: Beim „Bausack“ werden taktische Elemente genauso wie Kreativität gefördert. Geschicklichkeit gehört auch noch dazu. Da die Gegner immer am eigenen Turm mitbauen, entstehen aberwitzige Türme. Hier vorauszuplanen ist der Schlüssel zum Erfolg, neben einer gehörigen Portion Fingerfertigkeit und spontaner Entscheidungsfreude.
Redaktion: Die Nachfrage im Ausland nach deutschen Spielen steigt. Spüren das auch Sie?
Werstein: Wir verkaufen unsere Spiele in der Zwischenzeit in über 20 Ländern. Vor allem die Spiel in Essen ist ein einzigartiger „Melting Pot“ geworden. Spannend ist, dass in der Zwischenzeit in vielen Ländern, die angefangen haben, deutsche Spiele zu importieren, eine eigene Szene entstanden ist. Dies befruchtet das Genre Spiel als solches. Der Marktanteil Ausland steigt Jahr für Jahr. Exoten wie Taiwan, Südkorea, Israel, Südafrika und Slowenien bestellen regelmäßig. Neue Länder kommen Jahr für Jahr hinzu. Momentan bewegt sich viel in Osteuropa.
Redaktion: Was erhoffen Sie sich von der Kooperation mit Caligari Film und Fernsehproduktions GmbH?
Werstein: Mit Caligari haben wir sicher einen idealen Partner gefunden, dem ich zutraue, unsere Hühnerwelt auf Leinwand und Fernsehschirm zu bringen. Damit würde ein Traum von mir und Klaus Zoch in Erfüllung gehen. Klappt dies, hätten wir noch andere Projekte in der Pipeline.
Redaktion: Welches Spiel würden Sie nicht mehr produzieren?
Werstein: Alle Spiele haben ihre Berechtigung gehabt. Viele würde ich mit den heutigen Erfahrungen anders gestalten oder anders benennen. Manchmal machen wir auch ein Spiel, weil es uns lange beschäftigt hat und einfach die Entscheidung gefällt werden muss – durch eine Veröffentlichung ist es weg vom Tisch. Dies ist sicher ein ungewöhnlicher und auch wirtschaftlich riskanter Weg.
Redaktion: Wir danken für das Gespräch.
München / Nürnberg, 17. Oktober 2007
Für Journalisten
- Deutsche Pressemeldung zum Herunterladen
- Pressemeldung (DOC)
Susanne Heiss
Heiss Public Relations
Tel. +49 (0)89/ 27 29 93 -22
presse@zoch-verlag.com
