Alan Moon

Alan Moon

Ich kam im Haus meiner Großmutter in Southampton, England zur Welt. Mein Vater war Bibliothekar und träumte davon, nach Amerika auszuwandern, aber zu der Zeit war das wegen der beschränkten Einwanderungskontingente sehr schwierig. Als ich 5 war, nahm mein Vater einen Job als Bibliotheksleiter in St. John's, Neufundland an, in der Hoffnung, aus Kanada letztlich in die USA zu gelangen. Zwei Jahre später war er erfolgreich und wurde Redakteur des Library Journal Magazins, wir zogen nach Brooklyn, New York. Nach weniger als einem Jahr zogen wir erneut um - nach New Jersey.

Als ich noch ein Kind war, war jeder Sonntag Familientag. Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und ich haben dann unsere Zeit beim Bowling, Minigolf, im Kino etc. verbracht, und am Ende des Tages haben wir zu Hause Spiele gespielt. Dabei kamen dann die amerikanischen Klassiker auf den Tisch: "Monopoly", "Careers", "Facts in Five", aber auch viele traditionelle Kartenspiele, wie z.B. "Hearts" oder "Oh Hell". Als ich ein Teenager war, hat mir mein Vater "Schach" beigebracht und mich Jahr für Jahr dabei besiegt, bis ich schließlich auch mal gewonnen habe. Meine Eltern haben mir auch "Bridge" beigebracht. Aber die eindrucksvollsten Spieleerlebnisse als Kind hatte ich jedes Mal, wenn mein Onkel Bryan zu Besuch kam. Dann spielten mein Vater, mein Onkel, mein Bruder und ich "Risiko". Dabei machte ich meine intensivsten Spielerfahrungen, denn während einer Partie "Risiko" mit der Moon Familie gab es plötzlich keine brüderliche Liebe mehr.

Von 1970 bis 1974 habe ich in der United States Air Force gedient, zuerst als Funker in Vietnam, dann als Angestellter in der Verwaltung der Offutt Air Force Base in Omaha, Nebraska, und letztlich als Verwaltungsinspektor einer Rekruteneinheit in New Jersey.

Ich besuchte das Kean College in New Jersey (1976 - 1979) und machte meinen Abschluss in Englisch und Theaterwissenschaft.

Während meiner Collegezeit machte ich mit dem Jersey Wargamers Club Bekanntschaft, den ich später auch leitete. Zudem begann ich, Artikel über Spiele in "The General" zu schreiben, dem Hausmagazin des Avalon Hill Spieleverlags. Nach dem College stellte mich Avalon Hill 1979 ein, und ich zog nach Baltimore, MD. Ich wurde Redaktionsassistent von "The General" mit der Aussicht, nach einer kurzen Ausbildung als Redakteur übernommen zu werden. Allerdings habe ich dann schnell herausgefunden, dass mir das Entwickeln von Spielen viel mehr Spaß macht als das Schreiben  für ein Magazin.

So überrascht es nicht, dass mein erstes veröffentliches Spiel, "Black Spy" (Avalon Hill, 1981), vom klassischen Stichspiel "Hearts" inspiriert war. 1990 hat Hexagames aus "Black Spy" "Gespenster" gemacht.

Im Jahre 1983 nahm ich einen neuen Job bei Parker Brothers in Massachusetts an, in einem Team, das Videopiele erfand und entwickelte. Als ich 1984 Parker verließ, hatte ich beschlossen, meinen Lebensunterhalt als Spieleautor zu verdienen. Die folgenden sechs Jahre waren ein harter Kampf mit nur wenigen Erfolgen. Das erste Spiel, das überhaupt Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen schien, war "Airlines" - herausgebracht vom deutschen Verlag Abacus 1990.

1991 war ich dann so frustriert, nicht mehr meiner Spiele an renommierte Verlage verkaufen zu können, dass ich meine eigene Firma gründete: White Wind, Inc. Mein Plan bestand darin, limitierte Auflagen meiner Spiele zu produzieren und sie ein, zwei Jahre später an große Verlage zu verkaufen. Während dieser ganzen Zeit, 1984 - 1996, habe ich immer auch irgendwelche Teilzeitjobs gehabt und für gewöhnlich als Kellner gearbeitet.

1996 hatte ich noch immer kein einziges White Wind Spiel verkaufen können, ich hatte kein Geld mehr und war am Boden zerstört. Ich entschied, keine weiteren White Wind Spiele mehr herauszubringen. Aus der Not habe ich im Februar 1997 einen Job als Leiter der Spielentwicklung von F.X. Schmidt USA angenommen. Zum dem Zeitpunkt hatte ich das erste Mal Zweifel an meinen Fähigkeiten als Spieleautor.

Später im Jahr 1997 wurde F.X. Schmidt von Ravensburger gekauft, dem bekanntesten Spieleverlag Deutschlands. Etwa zur gleichen Zeit sprach mich Amigo an, ein anderer deutscher Spieleverlag, bzgl. einer Neuauflage eines meiner White Wind Spiele: "Elfenroads". Amigo wollte eine einfachere Version, und ich setzte mich ein paar Monate an die Überarbeitung des Spiels. Ohne die Hilfe eines Computers machte ich Farbkopien des "Elfenroads"-Spielbretts, und danach habe ich in wochenlanger Bastelarbeit einen neuen, einfacheren Spielplan entworfen. 1998 hat Amigo das überarbeitete Spiel unter dem Namen "Elfenland" veröffentlicht, und es wurde zum "Spiel des Jahres" (Game of the Year). SdJ ist im deutschsprachigen Raum ein sehr prestigeträchtiger Preis, und zum ersten Mal hatte ich ein Spiel, das sich mehr als ein paar tausend Mal verkaufte.

1999 brachte Amigo meine Neuauflage von "Airlines" unter dem Namen "Union Pacific" heraus. Das Spiel schaffte es unter die letzten drei Kandidaten auf der SdJ-Nominierungsliste 1999.

Im selben Jahr wurde ich stellvertretender Präsident der Spielentwicklung und der Lizenzabteilung von Ravensburger USA. Mein Job machte mir großen Spaß, besonders die Reisen nach Deutschland, aber ich hatte so viel zu tun, dass ich in meiner wenigen Freizeit kaum noch zum Spieleerfinden kam.

Seit 1998 habe ich sowohl wieder begonnen, eigene Spiele zu entwickeln, als auch mit anderen Autoren zusammenzuarbeiten, z.B. mit Richard Borg und Bruno Faidutti. Die Kooperationen habe ich sehr genossen. In den letzten Jahren habe ich immer wieder versucht, mit anderen Autoren zusammenzuarbeiten, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, aber es war immer interessant.

Im Jahre 2001 hatte ich drei Spiele, die für das SdJ nominiert waren: "Das Amulett" (Goldsieber), das es unter die letzten Drei schaffte, "Capitol" (Schmidt), und "San Marco" (Ravensburger). Zwar hat keines dieser Spiele den Hauptpreis gewonnen, dennoch hat mir das Trio den Zugang zur oberen Riege der Spieleautoren verschafft.

Meine liebstes eigenes Spiel ist "Wer hat mehr?" aus der "10 Days"-Serie, und "Ticket to Ride" ("Zug um Zug"). "Wer hat mehr?" war mein erstes Spiel, das 1990 vom österreichischen Verlag Piatnik in Europa veröffentlichtet worden ist. 2002 gab es eine Wiederauflage bei Rio Grande unter dem Titel "Where's Bob's Hat?". Es ist ein einfaches Stichspiel, das auf dem Kartenspiel-Klassiker "Oh Hell" basiert. Die "10 Days"-Serie ("10 Days in Africa", "10 Days in the USA", "10 Days in Europe", and "10 Days in Asia", veröffentlicht von Out of the Box) zeichnet sich durch sehr einfache Spielsysteme aus, die gleichzeitig Spaß machen und auch noch pädagogisch wertvoll sind. Weitere Spiele dieser Serie sind in Planung, u.a. "10 Days in the Americas".

"Ticket to Ride" ("Zug um Zug"), 2004 von Days of Wonder veröffentlicht, wurde mein zweites "Spiel des Jahres". "Ticket to Ride Europe" kam wie auch das "Ticket to Ride"-Computerspiel 2005 auf den Markt - letzteres enthielt sogar die neue Karte der Schweiz. Jedes Jahr werden zusätzliche "Ticket to ride"-Artikel und Erweiterungen veröffentlicht. "Ticket to Ride" hat in den letzten fünf Jahren zahlreiche Preise gewonnen und ist der Hit geworden, den ich mir immer erträumt hatte. In den USA sind Artikel zum Spiel in einer Vielzahl von Zeitungen und Magazinen erschienen, sogar im Reader's Digest und in der New York Times.

Ich lebe in Syracruse, NY. Meine Hobbies umfassen Kreuzfahrten, lesen, NASCAR, Modelleisenbahn, Spazierengänge, Gewichtheben, singen, Filme und essen gehen. Ich wollte schon immer auch ein Sänger werden. Zur Feier meines "Spiel des Jahres" 1998 habe ich diese Fantasie ausgelebt und eine Country-CD präsentiert, die ich dann an meine Familie und Freunde verschenkt habe. Ich hoffe, ich kann eines Tages nach Nashville fahren, um dort eine zweite CD aufzunehmen.

2004 habe ich die Liebe meines Lebens, Janet, geheiratet. Wir hatten ein wundervolles, unvergessliches Hochzeitswochenende. Janet ist Anwältin und arbeitet als Staatsanwältin am District Court in Syracuse. Zudem entwickelt sie sich gerade zur Gourmet-Köchin.

Wenn ich gerade mal nicht Ehemann oder Spieleautor bin, habe ich großen Spaß am Pokerspiel im nahe gelegenen Casino. Zudem spiele ich ein paar Mal pro Woche Brettspiele mit meinen Freunden. Meine Lieblingsspiele sind: "Descent: Journeys in the Dark", Cosmic Eidex" (ein Stichspiel für drei Spieler), Mystery Rummy" #1, "Carcassonne: Jäger & Sammler", Adel verpflichtet" und "Drunter und drüber", "Twilight Struggle", "Wildlife Adventure", "Spades" (ein traditionelles Stichspiel), "Liar's Dice/Bluff", "Bridgette" ("Bridge" für zwei), "Crokinole" (ein traditionelles Geschicklichkeits- und Aktionsspiel), und die Party-Spiele: "Tabu", "Balderdash" und "Outburst".

Spiele

  • 2007 Gloria Picktoria